{"id":22,"date":"2026-01-17T15:16:55","date_gmt":"2026-01-17T14:16:55","guid":{"rendered":"https:\/\/tramborg.de\/orgel\/?page_id=22"},"modified":"2026-03-16T12:41:02","modified_gmt":"2026-03-16T11:41:02","slug":"stertzingorgel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/?page_id=22","title":{"rendered":"Stertzingorgel"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Historische Bedeutung der Stertzingorgel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Eisenacher Orgelbauer Georg Christoph Stertzing baute 1702 eine Orgel f\u00fcr das Benediktinerkloster auf dem Erfurter Petersberg.<br>Im Zuge der S\u00e4kularisierung erwarb die Gemeinde B\u00fc\u00dfleben die Orgel und lie\u00df sie 1812 in die St. Petrikirche nach B\u00fc\u00dfleben umsetzen. Im Laufe ihres Daseins wurden mehrfach Ver\u00e4nderungen vorgenommen, um sie dem jeweiligen Zeitgeschmack anzupassen. Trotzdem blieb ein erstaunlicher gro\u00dfer Teil der Originalsubstanz erhalten. Somit verf\u00fcgt B\u00fc\u00dfleben \u00fcber die \u00e4lteste nahezu original erhaltene Orgel der Stadt Erfurt. Auch in ganz Th\u00fcringen ist keine Orgel in dieser Gr\u00f6\u00dfe aus dieser Zeit erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stertzing baute in Th\u00fcringen einige gro\u00dfe Orgeln (Eisenach, Jena), die nicht mehr erhalten sind. Somit ist Erfurt-B\u00fc\u00dfleben der einzige Ort, in dem sich noch ein Zeugnis dieses gro\u00dfen Orgelbauers finden l\u00e4sst. Die Bedeutung Stertzings f\u00fcr die Fachwelt l\u00e4sst sich auch an der Tatsache erkennen, dass im Bachjahr 2000 als Vorbild f\u00fcr den Neubau einer \u201eBachorgel\u201c in der Leipziger Thomaskirche die Eisenacher Stertzingorgel ausgew\u00e4hlt wurde. Damit sollte ein klanglich authentisches Instrument aus der Zeit Johann Sebastian Bachs nachgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel01-ganz_nah.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">IN BUESSLEBEN ABER STEHT EIN ORIGINAL!!!!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Geschichte der Orgel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1702 wurde im Benediktinerkloster St. Petri auf dem Erfurter Petersberg eine neue Orgel geweiht. Die einst mit ihren hohen Zwillingst\u00fcrmen das Erfurter Stadtbild dominierende Peterskirche ist das \u00e4lteste erhaltene Geb\u00e4ude der Stadt (Baubeginn 1103). Erste Zeugnisse einer Orgel in der Peterskirche stammen bereits aus dem Jahr 1226!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue Orgel wurde vom Eisenacher Orgelbauer Georg Christoph Stertzing gebaut. Stertzing war ein sehr gefragter Orgelbauer seiner Zeit und wurde von den Mitgliedern der Familie Bach hoch gesch\u00e4tzt. Er baute gro\u00dfe Orgeln in Eisenach, St. Georgen und in Jena, St. Michael, sowie eine kleinere in Udestedt. Die Organisten dieser 3 Orgeln waren Mitglieder der Bachfamilie. Auch in Erfurt war Stertzing t\u00e4tig und baute Orgeln neben der Peterskirche in der Augustiner- und in der Reglerkirche. Keines der genannten Instrumente hat die Zeiten \u00fcberdauert. Lediglich in Eisenach und Udestedt blieb der Prospekt erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der S\u00e4kularisierung in Erfurt durch Preu\u00dfen ab 1802 und folgend durch die Franzosen in der Napoleon\u2013\u00c4ra wurden die Inventarst\u00fccke der s\u00e4kularisierten Kirchen verkauft. Am 11.08.1811 erfolgte die Versteigerung der Orgel, die Gemeinde B\u00fc\u00dfleben erwarb sie f\u00fcr 900 Taler.Die B\u00fc\u00dflebener Vorg\u00e4ngerorgel vom Orgelbauer Johann Georg Schr\u00f6ter wurde nach Denstedt bei Weimar verkauft, wo sie bis 1859 ihren Dienst tat. Die Peterskirche brannte 1813 nach preu\u00dfischem Beschuss v\u00f6llig aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In B\u00fc\u00dfleben nun fristete die Stertzingorgel ein bescheidenes Dasein fernab der gro\u00dfen Musikzentren. Unmodern geworden, wurde sie jedoch nur mehrere Male umgebaut, wogegen Ihre gro\u00dfen Kolleginnen ganz weichen mussten und neuen, dem romantischen Zeitgeschmack entsprechenden Instrumenten Platz machen mussten. Gl\u00fccklicherweise war B\u00fc\u00dfleben dazu nicht in der Lage, so dass es lediglich halbherzige Umbauten gab, die jedoch allesamt nicht an der Grundsubstanz der Orgel r\u00fcttelten. Die original erhaltenen Windladen lassen eine nahezu l\u00fcckenlose Restaurierung der gesamten Orgel zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stertzingorgel in B\u00fc\u00dfleben ist die einzige Orgel in Erfurt und Umgebung, die aus der Zeit um 1700 noch erhalten ist. Mit ihren 28 Registern ist sie sogar in ganz Th\u00fcringen in ihrer Gr\u00f6\u00dfe die \u00c4lteste. Seit dem Kauf sind nun mehr als 190 Jahre vergangen. Der Zustand nach der Umsetzung ist uns unbekannt. Die originale Farbe wurde hellgrau und sp\u00e4ter braun \u00fcberstrichen. Diese braune Farbe hielt sich lange. Erst 2001 konnte durch die Erfurter \u201eKirchlichen Werkst\u00e4tten\u201c die originale Farbgebung und Marmorierung anhand von versteckten, nicht \u00fcbermalten Stellen rekonstruiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1989 erstellte Gernot Schmidt, Restaurator vom Potsdamer Schuke-Orgelbau ein vernichtendes Gutachten \u00fcber den Zustand der Orgel. Der Aufwand f\u00fcr eine Restaurierung ging aber zu der Zeit weit \u00fcber die M\u00f6glichkeiten unserer kleinen Landgemeinde hinaus, so dass weiterhin im Gespr\u00e4ch blieb, die Orgel in das neu zu bauende Haus der Kultur in Erfurt (bekannt als Schiffshebewerk) umzusetzen. Auch die Bem\u00fchungen einer anderen Erfurter Kirchengemeinde um die Orgel wurden erst 1996 endg\u00fcltig abgelehnt.<br>Zu der Zeit stand fest: Die Orgel bleibt hier und wird restauriert. Um diese Pl\u00e4ne der Kirchengemeinde zu forcieren, gr\u00fcndete Kantorin Sabine Dill mit einigen Orgelfreunden im Dezember 1996 den \u201eVerein zur Rettung der Stertzingorgel in B\u00fc\u00dfleben e.V.\u201c. Nach der schwierigen Beurteilung von 3 sehr verschiedenen Angeboten, wurde der Auftrag an die \u201eAlexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH\u201c vergeben. 1998 begannen die Arbeiten mit der Rekonstruktion der nicht mehr vorhandenen Balganlage. 1999 wurde die Orgel dann ausgebaut und in Potsdam umfassend restauriert und in Teilen rekonstruiert. Ab April 2002 liefen die Arbeiten zum Wiedereinbau, die am 20. Oktober 2002 mit der Wiedereinweihung zum 300-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um dieses einzigartigen Instrumentes ihren kr\u00f6nenden Abschluss fanden. Nach Realisierung noch erforderlicher Restarbeiten konnte die Orgel 2005 endg\u00fcltig fertiggestellt und abgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel02_Ostern-rotated.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zur Restaurierung der Orgel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedeutung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als namhafte Organologen, Musikwissenschafter, Bachforscher und Historiker im Vorfeld des Bachjahres 2000 \u00fcberlegten, welche Orgel denn am meisten dem Klangideal Johann Sebastian Bachs entsprochen haben k\u00f6nnte, fiel die Wahl auf diejenige Disposition, die Johann Christoph Bach zusammen mit dem Orgelbauer Georg Christoph Stertzing 1696 f\u00fcr die Eisenacher Georgenkirche entworfen hat. Diese Disposition wurde f\u00fcr die Leipziger Thomaskirche, an welcher J.S. Bach 27 Jahre seines Lebens wirkte, nachgebaut. Damit r\u00fcckte der Orgelbauer Georg Christoph Stertzing erneut in das Blickfeld der Fachwelt.<br>Die Orgelbauerfamilie Stertzing hat mehrfach berufliche Ber\u00fchrungen mit der Bachfamilie gehabt. Leider ist nur eine einzige Orgel von G.Chr. Stertzing (gest.1717) erhalten geblieben und das durch Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Restaurierung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kirchengemeinde B\u00fc\u00dfleben hat sich die Restaurierung der wertvollen Orgel zum Ziel gesetzt, eine Aufgabe, die nicht hoch genug zu veranschlagen ist, wird durch diese Restaurierung doch ein einzigartiges Dokument des mitteldeutschen Orgelbaus um 1700 f\u00fcr die Nachwelt erhalten bleiben. Schon in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts gab es klangliche Ver\u00e4nderungen an der Orgel. F\u00fcr den technischen Bereich k\u00f6nnen \u00c4nderungen nicht eindeutig nachgewiesen werden, sind jedoch nicht v\u00f6llig auszuschlie\u00dfen. F\u00fcr die zweite H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts lassen sich weitere klangliche und mit Sicherheit auch technische Ver\u00e4nderungen nachweisen. Wie ein roter Faden ziehen sich klangliche und technische Arbeiten durch bis in die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, die dieses Instrument fast bis zur Unkenntlichkeit ver\u00e4nderten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Windladen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vier von sechs Windladen lassen sich eindeutig auf das Entstehungsjahr 1702 datieren. Erheblicher Wassereinbruch, Dispositionsver\u00e4nderungen und Substanzverlust an St\u00f6cken, Rastern und Schleifen brachten die Windladen an den Rand ihrer Verwendungsf\u00e4higkeit. Nur durch komplettes Zerlegen der Laden, verbunden mit einer aufw\u00e4ndigen Restaurierung aller Einzelteile ist es gelungen, die noch vorhandene Substanz zu erhalten. Durch mittiges Auftrennen der Windladenst\u00f6cke gelang der Erhalt von Schleifen- und Stockbohrungen und damit auch der Beweis f\u00fcr eine andere als von Jacob Adlung ver\u00f6ffentlichte Disposition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pfeifenwerk<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu vier verschiedene Beschriftungen auf dem Pfeifenwerk deuten auf ein reges Verschieben aller Pfeifen auf den Windladen. Aufw\u00e4ndiges Untersuchen aller Pfeifen brachte ein \u00fcberraschendes Ergebnis zu Tage. Von den 28 Registern lassen sich 25 Register durch eine, mehrere oder fast vollst\u00e4ndige Pfeifenanzahl belegen. Die sehr sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrte Restaurierung aller Holz- und Metallpfeifen sowie die Rekonstruktion der fehlenden Pfeifen bringt uns klanglich einen sehr wichtigen Teil th\u00fcringischer Orgelbaukunst zur\u00fcck. Dabei sind das Ausd\u00fcnnen der Metallpfeifen sowie die richtige Legierung des Orgelmetalls eine absolute Voraussetzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technische Anlage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im Bereich der technischen Anlage sind viele Ver\u00e4nderungen vorgenommen worden, die aber nicht alle auf den Zustand von 1702 zur\u00fcckgef\u00fchrt werden konnten. Mit der Neueinteilung der Register im Spieltisch sind auch die Registerwellen ver\u00e4ndert und erneuert worden. Vier der 28 Wellen sind erhalten geblieben und dienten als Vorlage f\u00fcr die Rekonstruktion. Geschmiedete Eisen\u00e4rmchen vermitteln uns nun wieder den Anblick einer sehr rustikalen Registeranlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausblick<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine breite Diskussion ist gegenw\u00e4rtig durch die Presse gegangen \u00fcber die Frage, f\u00fcr welche L\u00f6sung man sich denn beim Orgelneubau in der Frauenkirche zu Dresden entscheiden soll: reine \u201eSilbermann\u201c-Orgel oder Kompromissorgel? Derartige Fragen standen in B\u00fc\u00dfleben \u00fcberhaupt nicht zur Debatte. Hier ist durch die Restaurierung ein orgelgeschichtlich wichtiges, authentisches Instrument von \u00fcberregionaler Bedeutung entstanden, von dem man wei\u00df, dass es dem Klangideal Bachs entsprach. Die Orgellandschaft Th\u00fcringen wird durch diese Restaurierung ma\u00dfgeblich bereichert. Deshalb werden sich Fachspezialisten aus aller Welt einfinden, um diese Orgel zu h\u00f6ren und zu spielen. Ihre Einbeziehung in die Praxis wird weit \u00fcber den gottesdienstlichen Gebrauch hinausgehen, denken wir nur an die Einrichtung eigener Konzertreihen oder an die Einbeziehung der Orgel in die Konzerte der Th\u00fcringer Bachwochen, des Th\u00fcringer Orgelsommers, der Th\u00fcringischen Orgelakademie sowie des Musikfestes \u201eG\u00fcldener Herbst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(c)Klaus Michael Schreiber<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Disposition von 1768<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/dispos3.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-30\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier findet sich der einzige Hinweis auf den Orgelbauer Georg Christoph Stertzing, n\u00e4mlich: der \u201ealte Sterzing\u201c. Das Taufregister in Stertzings Geburtsstadt Ohrdruf belegt \u00fcbrigens die Schreibweise Stertzing mit \u201etz\u201c.<br>Die intensiven Untersuchungen der Windladen haben ergeben, dass bereits zur Zeit der Ver\u00f6ffentlichung dieses Buches 1768 erste Ver\u00e4nderungen an der Disposition der Orgel vorgenommen worden sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Biographie von Georg Christoph Stertzing<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Interesse der \u00d6ffentlichkeit gilt dem Orgelbauer Georg Christoph Stertzing heute vor allem der Tatsache wegen, dass er mehrfach mit der Musikerfamilie Bach in Ber\u00fchrung kam. In Eisenach erarbeitete er 1696 zusammen mit Johann Christoph Bach die Disposition f\u00fcr die Georgenorgel 1).<br>Die von Stertzing 1697 in Berka\/Werra erbaute Orgel wurde durch Johann Christoph Bach abgenommen. Die Orgel der Michaeliskirche zu Jena entstand 1704 in Zusammenarbeit mit Johann Nicolaus Bach 2). An der um 1710 in Udestedt erbauten Orgel war Tobias Friedrich Bach t\u00e4tig. Und m\u00f6glicherweise war Johann Michael Bach w\u00e4hrend seiner Eisenacher Zeit Sch\u00fcler Georg Christoph Stertzings.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Georgius Christoph Stertzing wurde am 1. Dezember 1660 in Ohrdruf als Sohn des Jacob Stertzing geboren und am folgenden Tag getauft 3). Taufpate war Georgius Christoph Wittich. Einen fast w\u00f6rtlich \u00fcbereinstimmenden Eintrag gibt es im Ohrdrufer Kirchenbuch auch unter dem 4. Juli 1659 4), so dass man vermuten k\u00f6nnte, dieser zuerst genannte T\u00e4ufling sei nach kurzer Zeit verstorben und das n\u00e4chste Kind habe dann die gleichen Vornamen sowie den gleichen Taufpaten bekommen. Ein Begr\u00e4bniseintrag f\u00fcr das Kind fehlt allerdings im Kirchenbuch. Bis 1688 werden dort noch zehn weitere Taufeintr\u00e4ge der Familie Stertzing genannt 5).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 23. November 1686 wurden in Ohrdruf getraut Georg Christoph Stertzing und \u201eFr. Anna Dorothea Schnabel von Gotha\u201c 6). Nachdem der Eisenacher Orgelbauer Christoph Knott am 25. Mai 1690 gestorben war, vermelden die Eisenacher Stadtrechnungen, dass der Organist Johann Christoph Bach 11 Tage lang einen Ohrdrufschen Orgelbauer beherbergt hat 7). Georg Christoph Stertzing trat die Nachfolge von Christoph Knott an. Zu seinem Aufgabenbereich geh\u00f6rte es, \u00dcber die drey Orgellwercke zu St. Georgen, St. Nicolai und St. Anna gute aufsicht zu haben, und was nicht viel Zeit und M\u00fche erfordert und an den Orgelwercken hangen bleibt ohne entgelt zu repariren. Weiter hei\u00dft es: Das Orgelwerck zu St. Georg soll er alle Festtage auch sonsten wenn es von N\u00f6then etwa alle 6 Wochen insonderheit aber das Schnarrwerck soll durchgehen und stimmen. Ferner wird er verpflichtet, sobald die Orgel der Georgenkirche benutzt wird anwesend zu sein, um etwaige Sch\u00e4den sofort beheben zu k\u00f6nnen. Als Gegenleistung werden ihm j\u00e4hrlich 10 Rtl. garantiert 8).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Johann Christoph Bach hat er eng zusammen gearbeitet. In den Jahren 1696 \u20131707 f\u00e4llt der Neubau der Georgenorgel, deren Disposition gemeinsam von Bach und Stertzing entworfen wurde. In Zusammenhang damit hatte Stertzing 1701 im Auftrage der Stadt Eisenach eine Reise nach Magdeburg unternommen. M\u00f6glicherweise handelte es sich um eine Studienreise mit dem Ziel, die Orgelwerke des norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger kennen zu lernen. In Magdeburg hat er vielleicht die Gelegenheit gesucht, Schnitgers Orgelwerke in St. Johannis, Heiliggeistkirche, St. Jacobi, St. Petri, Kloster Berge und Gro\u00dfottersleben zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es waren sicherlich vor allem finanzielle Ursachen, die die Fertigstellung der Eisenacher Orgel wieder und wieder verz\u00f6gerten. So war der Orgelbauer gezwungen, st\u00e4ndig andere Auftr\u00e4ge zu suchen oder anzunehmen, obwohl er von 1701 an bis zu seinem Tode durch die Stadt Eisenach einen festen Betrag von 11 fl 9 gr. Bezog.1701 baute er die Orgel in Obersuhl. 1702 folgten der Neubau f\u00fcr St. Petri Erfurt, 1705 Reparaturen (?) f\u00fcr St. Michael zu Erfurt und 1709 der Neubau in der Reglerkirche zu Erfurt. In das Jahr 1710 fallen die Neubauten in der Kreuzkirche zu Eisenach sowie in Udestedt. Die Arbeiten an der Orgel zu St. Augustin in Erfurt konnte Stertzing nicht mehr vollenden. Dieses musste er seinem Bruder Johann Friedrich Stertzing (1681 \u2013 1731) sowie dem Erfurter Orgelbauer Georg Schr\u00f6der \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 6. Februar 1693 wurde dem Ehepaar Stertzing in Eisenach eine Tochter Rosina Gertruda geboren 9). Als Taufpate fungierte der Ruhlaer Organist Georg Bernhard Boddecker. Eine weitere Tochter, Anna Barbara, wurde am21. November 1696 getauft 10). Zu den Paten geh\u00f6rte diesmal die Ehefrau des Kirchners Weber zu Ohrdruf. 1699 erwarb er das Eisenacher B\u00fcrgerrecht vor sich, sein Weib und Kinder 11). Georg Christoph Stertzing wurde beerdigt am 21. Februar 1717 in Eisenach 12).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stertzings Werkstatt scheint fortgef\u00fchrt worden zu sein durch seine Br\u00fcder Johann Christian und Johann Friedrich sowie durch seinen Sohn Johann Georg. Johann Christian und Johann Friedrich haben nachweislich am Bau der Orgel zu Udestedt mitgewirkt 13).<br>Johann Friedrich scheint sich sp\u00e4ter selbstst\u00e4ndig gemacht zu haben, indem er nach Kassel ging. Johann Georg Stertzing wurde 1690 in Ohrdruf geboren 14), besuchte 1698 \u2013 1703 die Eisenacher Lateinschule, erwarb hier das B\u00fcrgerrecht und heiratete am 15. Februar 1718 15). Nach seines Vaters Tod betreute er die Eisenacher Orgeln mit unterschiedlichem Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1) vgl. Oefner, Claus, Die Musikerfamilie Bach in Eisenach, 2. Aufl. Eisenach 1996, S.50 ff; ders.,<br>Die Orgeln der Eisenacher Georgenkirche, in: Bachfestbuch des 76. Bachfestes der Neuen Bachgesellschaft,<br>Eisenach 2001, s. 107 ff.; ders. Johann Christoph Bachs Eisenacher Stertzing-Orgel, in:<br>Freiberger Studien zur Orgel, Nr.7, Altenburg 2002<br>2) vgl. Koch, Herbert, Der Jenaer Bach, in: Bach in Th\u00fcringen, Berlin 1950, S. 135 ff.<br>3) Pfarramt Ohrdruf, Taufregister 1659, S 327<br>4) ebenda S. 346<br>5) Frdl. Hinweis von Herrn Dill, B\u00fc\u00dfleben<br>6) Trauregister St. Michaelis 1686\/401\/29. Frdl. Auskunft des Ev.- Luth. Pfarramtes Ohrdruf<br>7) D-EIa, Stadtrechnungen 1690\/91, Bl. 224<br>8) D-EIs, B.XXV J.1.Bl28<br>9) D-EIs Kirchenbuch 1684\/95, S. 460<br>10) D-EIs Kirchenbuch 1696\/1705, S. 49v<br>11) D-EIa B\u00fcrgerbuch 1673\/1725, S. 165<br>12) D-EIs Kirchenbuch 1706\/19, S. 502v<br>13) Frdl. Mitteilung von Herrn Peter B\u00fchner, Erfurt<br>14) Taufregister St. Michaelis 1690\/690\/98. Frdl. Auskunft des Ev.-Luth. Pfarramts Ohrdruf<br>15) D-EIs Kirchenbuch 1706\/19, S. 562v<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(c) Dr. Claus Oefner<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Bilder einiger Organisten an der Orgel<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel03_Organist_Uhlig-rotated.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel05_Torsten_Pech-rotated.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel06_Bruder_Kaufmann-rotated.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Orgel07_Organist_Monaco-rotated.jpeg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historische Bedeutung der Stertzingorgel Der Eisenacher Orgelbauer Georg Christoph Stertzing baute 1702 eine Orgel f\u00fcr das Benediktinerkloster auf dem Erfurter Petersberg.Im Zuge [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-22","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":264,"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22\/revisions\/264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stertzingorgel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}