Aus Platzmangel konnte das zum Prospekt der Orgel gehörende Wappen hier in
Büßleben nicht an den ursprünglichen Platz oben auf dem Prospekt
zurückkehren. Bis 2001 hing es in der Glockenstube des Kirchturmes und entging
so den mehrfachen Umgestaltungen des restlichen Prospektes.
Die Originalfärben wurden 2001 gefestigt und gereinigt und an einigen Stellen
ergänzt.
Das geschnitzte Wappen des Orgelprospektes gehörte dem Abt Nikolaus de Gouverneur.
Es zeigt auf einem Berg zwei stehende Löwen, die ein Kreuz halten. Helmzier
ist eine Mitra; als Helmdecke dienen Akanthusranken.
Vermutlich befindet sich das Wappen nicht deshalb nur an der Orgel, weil sie
während der Regierungszeit des Abtes angeschafft worden ist; vielmehr vermute
ich, dass wir in ihm den Stifter dieses Instrumentes sehen können.
Nikolaus de Gouverneur wurde 1621 im Herzogtum Luxemburg geboren, erhielt 1652 seine
Professur als Benediktinermönch im Erfurter Peterskloster und wurde Prior im
Kloster St. Michael in Bamberg. Am 15. Januar 1682 wurde er einstimmig zum Abt von
St. Peter in Erfurt gewählt und am 7. März 1682 durch Weihbischof
Johann Daniel Gudenus geweiht.
1690 wurde er Professor der Theologie an der Erfurter Universität, 1692 zu deren
300-jährigem Jubiläum auch ihr Rektor. Er behielt dieses Amt drei Jahre
von 1692 bis 1695 und leitete danach weitere zwei Jahre in Vertretung des
abwesenden Kurfürsten Lothar Franz, der zum Rektor gewählt worden war,
1695 - 1697 als Prorektor die Universität.
Er starb in Erfurt am 8. März 1705 im Alter von 83 Jahren.
Dies ist nachzulesen bei Erich Kleineidam, Universitas Studii Erffordensis.Teil IV.
Die Universität Erfurt und ihre theologische Fakultät von 1633 bis zum
Untergang 1816. Leipzig 1981, SS. 33, 278 und 327; ferner bei R. Böckner,
Das Peterskloster zu Erfurt, Mitteilungen des Vereins für Geschichte und
Altertumskunde von Erfurt, Heft 10,1881, S. 81-83.
Das gleiche Wappen zeigt auch die Studentenmatrikel der Universität Erfurt,
und zwar unter einem schönen Halbbildnis des Rektors Nikolaus de Gouverneur.
Hinter dem Schild finden sich dort noch ein Schwert und ein Schlüssel,
die Attribute von Paulus und Petrus. Auf die Mitra ist dort noch eine
Madonna im Strahlenkranz gemalt.
Außerdem liest man dabei auch den Wahlspruch des Abtes und Rektors
"Fortiter et constanter" [ frei übersetzt: mit Kraft und Beständigkeit. ]
(Stadtarchiv Erfurt l-i/X B XIII - 46 Bd. 4, p.51)
Karl-Heinz Meißner
|